Die schwäbische Küche hat unzählige bekannte Gerichte hervorgebracht: Spätzle in allen erdenklichen Variationen, Linsen, Zwiebelrostbraten, saure Bohnen, Schupfnudeln, Flädlessuppe oder Gaisburger Marsch, die Liste könnte noch ewig fortgesetzt werden. Doch ein Gericht hat einen nahezu weltweiten (ohne übertreiben zu wollen) Eroberungszug angetreten: die Maultasche. Von Agrarminister Peter Hauk wurde sie kürzlich sogar als “Flaggschiff der schwäbischen Kulinaristik” bezeichnet. Kaum jemand, der noch nie etwas von ihr gehört hat. Doch warum heißt die Maultasche eigentlich Maultasche?

Die Maultasche eine klösterliche Erfindung?

Es kursieren mehrere Geschichten über die Herkunft der Maultasche. Die Legende, die ich schon seit langem kenne, begab sich folgendermaßen:

Während des Dreißigjährigen Krieges (dieser dauerte von 1618 bis 1648) erhielten die Zisterzienser-Mönche des Klosters Maulbronn in der Fastenzeit ein Stück Fleisch. In meiner Erinnerung stammte dieses von einem Kalb, das im Kloster verstorben war. Um das Fastengebot nicht zu brechen, dachten sich die Mönche eine List aus: Sie hackten das Fleisch fein und vermischten es zur Tarnung mit Spinat und Kräutern. Die kaum noch als Fleisch zu erkennende Masse füllten sie zusätzlich in Taschen aus Nudelteig. Somit glaubten sie, das verbotene Fleisch vor den Augen des Herrn sicher versteckt zu haben. Darum tragen Maultaschen im Schwäbischen den Namen “Herrgottsbscheißerle“.

Nun zeigt sich auch, dass sich die Bezeichnung MAULtasche von deren Entstehungsort MAULbronn ableitet. Maulbronn liegt übrigens ca. 50 km östlich von Karlsruhe. Das Kloster Maulbronn ist seit 1993 ein UNESCO-Weltkulturdenkmal und einen Besuch auf jeden Fall wert.

Andere Legenden

Früher galt die Maultasche als Essen der armen Leute, was mich zu einer weiteren Herkunftsgeschichte bringt. Angeblich soll die Maultasche eine Nachahmung der italienischen Ravioli darstellen, die damals wie die Pizza als Arme-Leute-Essen galt. Als “Maultasche” wurde zu dieser Zeit eine Ohrfeige bezeichnet. Diese Benennung wurde dann auf die Nudeltasche übertragen, da sie in ihrer Form etwas an eine geschwollene Backe nach einer Ohrfeige ähnelt.

Eine andere Legende verweist auf die Gräfin Margarete von Tirol, die den Rufnamen “Maultasch” inne hatte. Diese soll die Maultasche aus ihrer Heimat mitgebracht haben.

Für mich klingt die Geschichte der Mönche vom Kloster Maulbronn nach wie vor am plausibelsten und ich bin mir sicher, dass sich die Geburt der Maultasche genau so abgespielt hat!

Die Maultasche unter dem Schutz der EU

Ab Mitte November 2009 steht die Schwäbische Maultasche als regionale Spezialität unter dem Schutz der EU und reiht sich in eine Liste mit anderen Gerichten wie z.B. dem Allgäuer Käse, dem Schwarzwälder Schinken und dem Kölsch ein.

Hergestellt werden darf die Schwäbische Maultasche in Zukunft nur noch von denjenigen, die sich an ein vorgeschriebenes Verfahren halten. Dieses gibt bestimmte Zutaten vor. Ausschließlich die genannten dürfen für die Herstellung von Maultaschen verwendet werden. So dürfen für den Nudelteig z.B. nur Hartweizengrieß, Mehl, Wasser und Eier verwendet werden. Die Füllung darf nur aus Schweine- und Rindfleisch, Spinat, Petersilie, Eiern, Zwiebeln, Brot, Gewürzen, Lauch und evtl. gerauchtem Bauch bestehen.

Diese Verordnung schützt die Maultasche vor billigen Nachahmungen und garantiert somit einen hochwertigen schwäbischen Genuss.

Wer nun Lust auf Maultaschen bekommen hat, kann diese z.B. im Backofen überbacken.

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